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Sonntag, 4. Januar 2015

Barbados Rum Punch

Jahre fangen oft relativ trist an, zum Beispiel wenn man an Neujahr einen Kaffee trinken will und alle Cafés haben zu, oder wenn man den Adventskranz wegräumen soll unds danach so leer aussieht. Auf diese Situation gibt es nur eine angemessene Reaktion: Cocktails trinken. Glück hat, wer an Weihnachten in weiser Voraussicht die Zutaten für einen besonders leckeren Drink aus der Kategorie der Sours geschenkt bekommen hat: die Zutaten für den Barbados Rum Punch.




















Barbados Rum Punch

(One of sour, two of sweet
three of strong and four of weak.)

Zutaten (1 Glas)
  • 1 cl frisch gepresster Limettensaft
  • 2 cl Simple Syrup
  • 3 cl brauner Rum (Mount Gay)
  • 4 cl kaltes Wasser
  • 1 Dash Angostura
  • 1 Prise frisch geriebene Muskatnuss
  • Crushed Eis
  • Cocktailkirsche nach Geschmack

Zubereitung

Die ersten vier Zutaten mit Eis shaken, ins Glas auf gecrushtes Eis absieben und mit einer Prise Muskatnuss, einem Spritzer Angostura und nach Geschmack einer Cocktailkirsche servieren.

Montag, 5. August 2013

Blue Moon (Cocktail)

Vor ein paar Tagen hab ich in einer Bar den besten Cocktail ever getrunken. Jaja, möglicherweise habe ich das schon mal gesagt (der Sidecar in der Melody Bar, ahhhhh!), aber diesmal stimmt's. Die Bar war das Ellington in der Scheurenstraße, die ohnehin zu empfehlen ist: Erstens ist es da nett und zweitens und vor allem gibt es eine tolle Karte, mit ein paar Klassikern und einigen spannenden - so weit ich das beurteilen kann - Neukreationen. Patti hatte einen Slow Screw Up Against the Wall - mit O-Saft und Vanille, lecker - und ich einen Aviation.

links: Slow Screw Up, rechts: Aviation























Der Aviation, bestehend aus Gin, Veilchenlikör, Maraschinolikör, Zitronensaft.
Nicht nur, dass er einen tollen Namen hat (noch besser als "Flight Noise", den wollte ich demnächst vielleicht mal erfinden) und eine schöne Farbe (himmelsilbergrau - im Elligton seltsamerweise gelbstichig), er ist auch wahnsinnig lecker. Das liegt am Zitronensaft - Sours sind immer gut -, aber vor allem auch am Veilchenlikör.
Let's talk about Veilchenlikör, auch Crème de violette genannt. Dieses Veilchenaroma ist wahnsinnig gut. Leider habe ich versäumt den Mixer zu fragen, welchen Veilchenlikör er verwendet.
Als wir aus der Bar nach Hause kamen, habe ich sofort im Internet recherchiert. Veilchenlikör ist nicht ganz billig und nicht ganz leicht zu bekommen, insbesondere nicht, wenn man bestimmte Vorstellungen hat. (Der von Bitter Truth ist bestellbar, aber der soll ja nicht so gut sein!)

Blue Moon






















Die Spirituosenhändlerin meines Vertrauens hatte auch keinen da, allerdings einen Likör, der sich "Parfait d'amour" nennt und angeblich neben ein paar anderen Sachen auch Veilchen enthält und der Crème de violette auch im Aviation ersetzen kann. Maraschino hab ich einfach irgendeinen billigen genommen. Das erwies sich als ein Fehler: Der Maraschino ist ziemlich ungenießbar, Parfait d'amour lecker, schmeckt aber kein bisschen nach Veilchen. Beim zweiten Drink hab ich den Maraschino weggelassen. Der Cocktail heißt dann Blue Moon und ist prima, aber an der Sache mit dem Veilchenlikör muss ich noch arbeiten. Den nächsten Aviation gibts dann erst mal wieder im Elligton.


Blue Moon

Zutaten
  • 4 cl Gin
  • 2 cl Zitronensaft
  • 0,75 cl Parfait d'amour

Zubereitung

Alle Zutaten mit Eis 20 bis 30 Sek. shaken. Straight up im Cocktailglas servieren.

Mittwoch, 8. August 2012

Cocktailklassiker (3): Martini Cocktail

Letztes Wochenende war ich an meinem Lieblingsort zum Cocktails trinken: der Melody Bar in Düsseldorf. Nicht, dass ich so wahnsinnig viel Erfahrung mit Cocktailbars hätte, aber ich erkenne einen guten Martini oder einen guten Whiskey Sour, wenn man ihn mir vorsetzt. Die Drinks sind nicht ganz billig, aber was sein muss, muss sein und zwar einmal im Jahr am Geburtstag von jemanden, der sonst nur wenig Wünsche hat.
Während meine Freunde eben die genannten Getränke konsumiert haben - ich hab alles probiert, ausgezeichnet - hatte ich zuerst einen Virgin Mary (wegen der großen Menge zuvor in mich reingeschüttetes Altbier). Wer denkt, ein Virgin Mary sei einfach ein Tomatensaft mit Salz und Pfeffer und vielleicht Tabasco, irrt entweder, oder die Leute da in der Melody Bar haben wahnsinnig guten Tomatensaft und wahnsinnig gutes Salz und wahnsinnig guten Pfeffer.
Danach hab ich noch einen Sidecar getrunken, der ja seit letztens einer meiner Lieblingsdrinks ist und auch der war ziemlich gut, wobei ich noch lieber einen English Sidecar gehabt hätte, also die Variante mit mehr Cognac. Man muss sich aber auch überlegen, wie sehr man sich in so einer Bar zum Clown machen möchte - der Sidecar stand sowieso schon nicht auf der Karte. Mit mehr Geld hätte ich mich mit Vergnügen durch die ganze Karte getrunken und darüber hinaus noch alle Cocktailnamen gesagt, die mir so einfallen.

In der bei heart cooks brain beliebten Reihe "Cocktailklassiker aus der Literatur" geht es heute weiter mit dem Martini Cocktail.
Für den Martini lassen sich sicher unzählige literarische Referenzen nennen: James Bond ist die erste die mir einfällt, nach kurzer Recherche stößt man auf John Updikes "Ehepaare", ein Roman, in dem sich Ehepaare in einer amerikanischen Kleinstadt der Sechzigerjahre zu Cocktailparties und zum Tennis treffen. Wenn man ein bisschen gründlicher sucht oder nachdenkt, findet man sicher noch viel mehr literarische Erwähnungen.
Das Buch, das ich als Anlass nahm, um mir heute einen Martini Cocktail zu genehmigen, ist Lockruf des Goldes von Jack London (1910). Es handelt sich dabei um einen Abenteuerroman, der unter anderem Londons eigene Erlebnisse während des Klondike-Goldrauschs am Ende des neunzehnten Jahrhunderts beschreibt. Der Protagonist, Burning Daylight genannt, beendet etwa in der Mitte des Romans sein Leben als Abenteurer auf Flößen und in Hütten und versucht, sein Bedürfnis nach risikoreichen Unternehmungen in San Franciso und New York bei Börsenspekulationen und anderen Abenteuern der Großstadt zu befriedigen. Hier findet auch die Szene statt, in der er sich in ein Geschäft verwickeln lässt, das ihn später kurzzeitig finanziell ruinieren wird.

Sie tranken - das heißt, Nathaniel Letton trank Mineralwasser, das von dem lautlos wirkenden Automaten von Lakaien, der das Haus bewohnte, serviert wurde, während Dowsett einen Whisky-Soda und Daylight einen Cocktail nahm. Keiner schien etwas Ungewöhnliches an einem Martini um Mitternacht zu finden, obwohl Daylight scharf beobachtete; denn er hatte längst gelernt, daß ein Martini seine bestimmte Zeit und Stelle hatte. Aber er liebte Martini und wollte als Naturmensch die Freiheit haben zu trinken, wann und wo es ihm paßte. Andere hätten vielleicht die eigentümliche Gewohnheit beachtet, nicht so Dowsett und Letton, und Daylights geheimer Gedanke war: "Die würden auch nicht mit der Wimper zucken, wenn ich ein Glas ätzendes Sublimat verlangte."

Auch ich (als Naturmensch) nehme mir die Freiheit heraus, zu trinken, wo und wann es mir passt; ohne die Sensibilität für den richtigen Moment zu verlieren (als Stadtmensch).

Das Buch ist übrigens nicht besonders aufregend, wenn man keinen Faible für Abenteurromane aus dem 19./20. Jahundert hat. Zunächst wird keinerlei Spannung aufgebaut, dann ist klar, worauf es hinausläuft - Daylight, der vor nichts Angst hat außer vor Frauen, heiratet irgendwann seine Sekretärin, die sich lange ziert, und zieht mit ihr zurück aufs Land, wo er hingehört, weg aus der Großstadt, die ihn verweichlicht und zerstört. Alkohol trinkt er dann übrigens auch keinen mehr. Fast keinen:

Daylight hatte kein Enthaltsamkeitsgelübde getan, aber dennoch seit dem Tage, da er sich vom Geschäft zurückgezogen hatte, keinen Tropfen Alkohol angerührt. Bald war er jedoch stark genug, ein Glas trinken zu können, ohne sofort ein zweites folgen zu lassen. Andererseits war der Drang zu trinken von dem Augenblick an, als er sich auf dem Lande niedergelassen hatte, vollkommen verschwunden. Er spürte kein Verlangen nach Alkohol und vergaß sogar, daß er existierte. Doch er wollte sich nicht davor fürchten, und wenn ihm der Kaufmann in der Stadt hin und wieder etwas anbot, pflegte er zu sagen: "Schön, mein Sohn! Wenn es Ihnen Spaß macht, daß ich ein Glas mit Ihnen trinke, gern. Geben Sie mir einen Whisky."

Auch, wenn wir es ihm natürlich anrechnen, dass es sich vor Alkohol nicht "fürchtet", wollen wir uns an Daylights neuer herablassender Art kein Beispiel nehmen. (Ich vermute, in dieser Passage drückt London das Verhältnis zum Alkohol aus, das er sich selbst für sich gewünscht hätte.)
Wer Lust hat auf einen Roman von Jack London, dem kann ich sein letztes und unvollendetes Werk "Das Mordbüro" sehr ans Herz legen. Es handelt sich dabei um einen satirischen Krimi, in dem der Chef einer Agentur, die Auftragsmorde ausführt, seinen Mitarbeitern befiehlt, ihn selbst umzubringen. Klingt albern und das ist es auch - aber albern und lustig und klug und gut geschrieben. Dazu passt ein Martini sicher ausgezeichnet.






Ja, ich habe jetzt auch Cocktailgläser. Da hat wohl der Superfreund wieder seine Finger im Spiel.

Dies sind zwei Martini mit jeweils 11 Teilen Gin und 3 Teilen Wermut, gerührt, mit links einer Olive und rechts einem Streifen Zitronenschale. Das Mischverhältnis ist eine Wissenschaft für sich; wer etwas auf sich hält, trinkt seinen Martini trocken, also auch mit (wenig) trockenem Wermut. Schön und poetisch finde ich Luis Buñuels Rezept für einen (sehr) trockenen Martini: "hold up a glass of gin next to a bottle of vermouth and let a beam of sunlight pass through". Ich habe kein Sonnenlicht parat und halte mich an die Rezeptur der International Bartenders Association, lediglich den trockenen habe ich durch weißen Wermut ersetzt.


Martini Cocktail

Zutaten
  •  55 ml Gin
  • 15 ml Wermut, hier bianco, für trockenen Martini trockenen Wermut verwenden
  • eine grüne Olive oder ein Streifen Zitronenschale; für einen sog. Gibson eine Silberzwiebel
  • Eis 

Zubereitung

Gin, Wermut und Eis in ein Gefäß geben und verrühren. Zitronenschale oder Olive in ein Cocktailglas geben und den Martini ohne Eis darauf abgießen.

Dienstag, 17. Juli 2012

Cocktailklassiker (2): Alexander

Im Gegensatz zum Sidecar, den ich als letztes probiert habe, gehört der Alexander eigentlich zur Kategorie der After-Dinner-Drinks. Bestehend aus Creme de Cacao, Sahne und Gin ist er gut geeignet, einen ganzen Nachtisch zu ersetzen.
Man kann einen trinken, aber auch gleich vier davon, wie sich in "Brideshead Revisited" (1944), deutsch: "Wiedersehen mit Brideshead" vom englischen Schriftsteller Evelyn Waugh nachlesen lässt. (In meiner Übersetzung heißt der Cocktail "Alexandra". Der Übersetzer kannte sich wohl nicht so mit der Materie aus.) Der exzentrische Anthony Blanche, ein Nebendarsteller und Bekannter des Protagonisten Charles Ryder, bestellt sie in einer Bar allerdings als Apéritif:

In der Bar Des George bestellte er: "Vier Alexandra-Cocktails, bitte", und baute sie mit einem lauten "Mm-mm" vor sich auf, das ihm empörte Blicke von allen Seiten einbrachte. "Sie hätten wahrscheinlich lieber Sherry, aber, mein lieber Charles, Sie werden keinen Sherry bekommen. Ist das nicht ein köstliches Gebräu? Schmeckt es Ihnen nicht? Dann werde ich es für Sie trinken. Eins, zwei, drei, vier, da gluckern sie herunter. Wie diese Studenten glotzen!" Und er führte mich zu dem wartenden Auto hinaus.

Der Roman, den ich letztens gelesen habe (nicht zuletzt wegen des erwähnten Drinks) erzählt die Geschichte der wohlhabenden englischen Familie Marchmain in den 20er und 30er Jahren. Mir hat das Buch gut gefallen, das, übrigens, in den 80ern als Fernsehserie und 2008 noch mal fürs Kino verfilmt wurde. Die mehrteilige Fernsehverfilmung kann man sich gut ansehen, ich habs ausprobiert. Der Alexander kommt hier, wenn ich mich richtig erinnere, aber nicht vor.





Der Alexander ist gut, aber keine Offenbarung wie der Sidecar. Ich bin wahrscheinlich im Allgemeinen kein Fan von Sahne-Cocktails. Creme de Cacao ist nicht leicht zu beschaffen - als ich in einem (eigentlich gut sortierten) Supermarkt danach gefragt habe, hat mich de Verkäufer, der sich offensichtlich auskannte, mit einer Mischung aus Erstaunen und Bewunderung angesehen. In einem Schnapsladen in Düsseldorf wurde ich dann aber fündig. Hier gab es sowohl die klare als auch die braune Variante. Ich habe mich für die helle Version des Cocktails mit Gin entschieden und freue mich auf weitere Experimente mit Kakolikör.


Alexander

Zutaten (für 1)
  • 2 cl Gin
  • 2 cl Crème de Cacao hell
  • 2 cl süße Sahne
  • gestoßenes Eis
  • frisch geriebene Muskatnuss

Zubereitung

Alle Zutaten außer der Muskatnuss in einen Shaker geben und schütteln. Ohne das Eis in ein gekühltes Cocktailglas abgießen. Muskatnuss mit einer kleinen Reibe auf einem Tellerchen dazu servieren, sodass jeder nach Belieben würzen kann.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Cocktailklassiker (1): Sidecar

Der Zusammenhang zwischen Schrifstellertum, Literatur und Alkohol ist, zumindest in bestimmten Epochen und Orten der Geschichte, unübersehbar. Aber das macht ja auch Sinn, wenn man über Menschen schreibt. Menschen trinken eben. Wenn ich Bücher schreiben würde, wären es auch Bücher über Menschen und über Alkohol. Über Menschen, über Trinken und über den Tod. (Ich bin ja noch jung. Wenn man noch jung ist, will man sicher immer Bücher über Sachen schreiben, von denen man nichts versteht.)

Insbesondere sind die amerikanischen Schriftsteller der 20er Jahre als auch die Protagonisten ihrer Romane für ihre Alkoholexzesse bekannt. Wer schon mal was von Hemingway oder Fitzgerald gelesen hat, weiß, dass hier kaum eine Seite vergeht, ohne dass eine große Anzahl an Mint Juleps, Gin Tonics und Mojitos getrunken wird.
Aber auch in Deutschland, zur selben Zeit und ein bisschen später, wurde in Schriftstellerkreisen getrunken, was das Zeug hält: Bekannte Alkoholiker, die gleichzeitig Schriftsteller der Neuen Sachlichkeit waren, sind zum Beispiel Hans Fallada (selber Alkoholiker, siehe auch sein Roman "Der Trinker" von 1944/1950), Irmgard Keun (sechs Jahre Psychiatrie wegen Alkoholismus) oder ihr zeitweiliger Geliebter Joseph Roth (seit dem 1. Weltkrieg Alkoholiker).

So, genug Faktenwissen. In seinem Buch über Literatur und Alkohol in Amerika "'The Giant Killer': Drink and the American Writer" (1976) schreibt Alfred Kazin: "there are periods and occasions when drinking is in the air, even seems to be a moral necessity". Alkohol als moralische Notwendigkeit - das ist ein Gesetz, das auch in meiner Küche gilt. (Quatsch, nur Spaß!)
Aus kulturhistorischer Perspektive ist dieser Zusammenhang  wahrscheinlich eher ausgelutscht, zumindest in Bezug auf die Roaring Twenties in Amerika. Das macht mir aber nichts, denn die Forschungsergebnisse, an denen ich interessiert bin, sind eher praktischer Natur. Meine Forschungsfrage heißt: Finde ich die Drinks aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts genauso gut wie die Romane?*

Mit dieser empirischen Studie zu Qualiät von Cocktail-Klassikern hab ich jedenfalls schon vor ein paar Jahren angefangen, nachdem ich "Schatten im Paradies" von Remarque gelesen hatte. Der Cocktail der Wahl - ein leichter Sommerdrink! - heißt hier Moscow Mule und besteht aus Wodka, Ginger Beer und Limettensaft.

Wir gingen in den kleinen Raum des Morocco, nicht in den großen mit der Sternendecke und den Zebrasofas. Im kleinen spielte Karl Inwald Wiener Lieder.
"Was möchten Sie haben?" fragte ich.
"Einen Moscow Mule."
"Was ist denn das?"
"Ein Moskauer Maulesel. Wodka, Ingwer-Bier und Lime-Saft. Sehr erfrischend."
"Das werde ich auch versuchen."
Natascha zog ihre Füße auf das Sofa. Sie ließ ihre Schuhe auf dem Boden stehen. "Ich bin nicht sehr für Sport", sagte sie. "Nicht wie die Amerikaner. Ich kann weder reiten noch schwimmen noch Tennis spielen. Ich bin eine Sofahockerin und eine Schwätzerin."
"Was sind Sie noch?"
"Sentimental und romantisch und unausstehlich. Billige Romantik finde ich unwiderstehlich. Je billiger, um so besser. Wie schmeckt der Moscow Mule?"
"Wunderbar."
"Und die Wiener Lieder?"
"Auch wunderbar."
"Gut." Sie lehnte sich zufrieden in ihre Sofaecke zurück. "Manchmal ist es absolut nötig, sich von einer Riesenwoge Sentimentalität überfluten zu lassen, in der alle Vorsicht und aller guter Geschmack glorios untergehen. Später kann man sich dann trocken schütteln und sich auslachen. Wollen wir?"


Seufz, Natascha! Ich wünschte, wir wären uns begegnet.


Heute setze ich die Studie fort, und zwar mit einem, vorsichtig ausgedrückt, absoluten Highlight: Dem Sidecar. Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass der Sidecar einer der besten oder sogar der beste Drink ist, den ich jemals getrunken habe. Und das aus mehreren Gründen: Man braucht nicht viele Zutaten. Gut, die, die man braucht, sind nicht die billigsten - Cognac, Cointreau und Zitronensaft. Aber ich kann versichern, dass es sich lohnt und man hier nicht an der falschen Stelle investiert. Bei diesem Cocktail ist das Ergebnis definitiv mehr als die Summe der einzelnen Teile. Der Sidecar schmeckt großartig fruchtig, mild, kaum nach Alkohol und trinkt sich so gut, dass man nach nur einem unmöglich Schluss machen kann. Den Sidecar habe ich bereits in meinem Standardrepertoire aufgenommen. Nachdem ich diesen Drink probiert habe, konstatiere ich mit gutem Gewissen: Die Testreihe hat sich bereits gelohnt.

Auch der Sidecar wird bei Remarque erwähnt, und zwar in "Drei Kameraden" (der wahrscheinlich schönste Remarque):

Wir tranken ein paar Glas. Ich nur Sidecars, mit viel Zitrone. Ich wollte nicht wieder von mir selbst überrumpelt werden.
Gottfried war glänzend aufgelegt.
"Ich war eben bei dir", sagte er. "Wollte dich abholen. Hinterher war ich auf dem Rummelplatz. Da ist ein großartiges neues Karussell. Wollen wir mal hin?" Er sah Patrice Hollmann an.
"Sofort!" erwiderte sie. "Ich liebe Karussells über alles!" "Dann wollen wir gleich aufbrechen", sagte ich. Ich war froh, daß wir 'rauskamen. Im Freien war die Sache einfacher.



























Ich empfehle, ihn nach der englischen Schule zuzubereiten und, wenn man nicht allzu puristisch ist, gern auch als Sidecar Up: die englische Schule sieht die doppelte Menge Cognac vor, "Sidecar Up" bezeichnet den Zuckerrand.


English Sidecar Up  

Zutaten (für 2)
  • 2 Teile Cognac (100 ml)
  • 1 Teil Cointreau (50 ml)
  • 1 Teil Zitronensaft (50 ml)
  • etwas zusätzlicher Zitronensaft
  • etwas Zucker
  • Eiswürfel

Zubereitung

In zwei Untertassen etwas Zitronensaft bzw. etwas Zucker füllen. Den Rand eines Cocktailglases zuerst in den Zitronensaft, dann in den Zucker tauchen.
Cognac, Cointreau, Zitronensaft zusammen mit einigen Eiswürfeln in einen Shaker geben und schütteln. Ohne die Eiswürfel ins Glas abgießen.




*In diesem Zusammenhang dache ich auch schon darüber nach, eine kleine Cocktailparty zu veranstalten. Nicht nur, weil ich gern mit Freunden Whiskey Sour trinke, sondern auch, weil das ein guter Grund wäre, ein Cocktailkleid zu kaufen. Wikipedia empfiehlt: "Im Regelfall tragen die Herren, da die Party sich an die Arbeitszeit anschließt, noch die normale Tageskleidung (Büroanzug). Entsprechendes gilt mittlerweile auch für die berufstätigen Damen. Bei besonders feierlichen oder offiziellen Cocktailpartys ist für Herren ein dunkler Anzug angemessen. Damen tragen ein Cocktailkleid." Die Party bei mir wäre natürlich feierlicher und offizieller Natur, wobei, Achtung: die Mindestverweildauer von 20 Minuten nicht unterschritten werden sollte. Zeit genug für zwei Martinis!
Aber auch so scheint mir eine Cocktailparty ein absolut sinnvolles Ereignis zu sein. Zitat Wikipedia: "Eine Cocktailparty ist eine Form eines Stehempfangs. [...] Der Name ist abgeleitet von den servierten Cocktails [...]. Dazu gibt es in jedem Fall kleine Appetithäppchen. Die Gäste unterhalten sich im Stehen (Smalltalk), die Musik ist eher leise und dezent und keine Tanzmusik." Wär das nicht super, ein kleiner Stehempfang mit Smalltalk, Fahrstuhlmusik und Appetithäppchen in meiner Wohnung!? Ich sehe es vor mir; und was ich sehe, ist glamourös.

Montag, 31. Oktober 2011

Moscow Mule

Moscow Mule ist ein gutes Getränk, das ich aus einem Roman von Remarque kenne. In diesem sitzen die Protagonisten pausenlos herum und trinken Moscow Mule. Das hat meine Sympathien geweckt und ich habe es nachgemacht.
Man muss sagen, dass es mit Ginger Beer - das man laut Originalrezept meines Wissens nach verwendet - deutlich intensiver und schärfer schmeckt als mit Ginger Ale, und ich bin mir nicht sicher, welches die leckerere Variante ist.* Wichtig ist auf jeden Fall, nicht am Limettensaft zu sparen.





Zutaten (für 1 Glas)
  • 6 cl Wodka
  • Eiswürfel
  • ein paar Scheiben Salatgurke
  • 1 Limette
  • 1 Zweig frische Minze
  • Ginger Ale oder Ginger Beer zum Auffüllen

Zubereitung

Ein paar Eiswürfel in ein Longdrinkglas geben. Wodka drübergießen. Limetten halbieren und jede Hälfte gründlich über den Eiswürfeln ausdrücken. Ausgedrückte Hälften vierteln und vier von den Stücken davon auf die Eiswürfel geben. Einen Minzzweig ins Glas geben. Mit Ginger Ale/Beer auffüllen. Ein paar Gurkenscheiben ins Glas werfen und eine auf den Rand stecken.

*Nachtrag: Mittlerweile bin ich mir sicher. Mit Ginger Beer ist es besser.